Es muss sich was ändern!

„Hallo, ich hab da mal ne Frage. Was kostet es wenn Sie mich zur O… fahren und zurück? Ich habe meine Brille vergessen!“
„Fünf Euro!“
„Hin und „zurück?“
„Ja, ich machs für fünf Euro“
„Ich schließ kurz den Laden ab und komme gleich.“
„Ja, ich warte hier!“
Sie schließt ab und steigt ein.

„Das tut mir jetzt sehr leid. Sie müssen sich dann wieder hinten anstellen, gell?“
„Ja. Doch das ist mein Job. Sie zu fahren.“

„Es gibt halt auch gute Menschen.“
„Wen meinen Sie?“
„Na Sie!“
„Wie meinen Sie das?“
„Naja, für fünf Euro hin udn zurück!“
„Wissen Sie, ich muss eh wieder hierher fahren. Dann kann ich Sie auch mitnehmen.“
„Welche Nummer in die O….?

„46. Ich wohne im Betreuten Wohnen. Seit einem halben Jahr. Und arbeite etwas nebenher. Auf 400 Euro. Ich muss da etwas machen, denn sonst gehe ich da ein. Da Sind nur ältere Leute und das zieht mich so richtig runter. Mit Ihrem Gejammer und Krankheiten. Ich brauche Bewegung und Abwechslung.“

„Aha!“ antworte ich.

Wir sind angekommen. Sie steigt aus und sagt:“ Sie fahren aber nicht weg!“
„Nein!“ sag eich und lache leise vor mich hin.

Ich warte. Sie geht hoch und nach ca. fünf Minuten kommt sie. Setzt sich ins Auto und sagt: „Achter Stock. Da wohne ich. Ich hoffe ich habe jetzt niemanden geweckt. Wahrscheinlich schon, vor lauter Rücksichtnahme. Mir gefällt es hie rnicht!“

„Was genau gefällt Ihnen nicht?“
„Die ruhen hier immer so oft! Mittagsruhe, Abendsruhe, hier Ruhe dort Ruhe.Das kann ich nicht. Ich muss etwas tun, unternehmen. Wenn ich diese Arbeit nicht hätte, mir würde die Decke auf den Kopf fallen. Aber ich will Sie ja nicht anjammern!“

„Oh, ich höre Ihnen gerne zu.“

„Ich bin erst seit einem halben Jahr hier in diesem Heim!“
„Wo kommen Sie denn her?“
„Aus H…!“
„Gibt es dort keine Wohnheime?“ frage ich erstaunt.
„Doch, aber meine Tochter meinte ……..Wissen Sie, ich sehe sie deswegen auch nicht öfter als sonst. Es wird sich etwas ändern müssen. Ich weiß noch nicth was, aber es wird sich etwas ändern. So geht das nicht weiter. Ich denke oft an H…“

„Ändern Sie es. Und zwar so, dass Sie sich dabei wohlfühlen!“ antworte ich ihr.
„Ja, da haben Sie Recht“ antwortet sie mit einem Seufzen in der Stimme.

Am Zielort wieder angekommen wünscht sie mir einen schönen Sonntag. Schließt die Autotür und verschwindet im Gebäude.

(c) georg mouratidis
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