Vergessen Sie diese Adresse nicht!

Ich fahre mit dem Taxi auf den Taxistand am Bahnhof ein. EIne Frau streckt den Arm raus um mir zu signalisieren, dass ich anhalten soll. Ich halte an. Sie öffnet die Tür und sagt:“Können Sie bitte dem Herrn einen guten Preis für die Fahrt machen?“. „Wenn er mir sagt wohin ich ihn fahren soll.“ antworte ich.

„Ich weiß nicht wo es hin soll“, sagt sie und setzt sich rein. Sie zwängt ihre riiiiesengroße Einkaufstasche vor dem Beifahrersitz vor ihren Füßen, sodass sie kaum noch Platz findet für ihre langen Beine. Sie schafft es dann doch irgendwie einzusteigen. Der Herr öffnet die hintere Tür und lädt irgendwelche Gepäckteile ein. Er schließt die Tür nachdem er alles abgestellt hat und läuft um das Auto herum um hinter mir einzusteigen.

„L…straße 41“ sagt er. Ich warte bis er eingestiegen ist und fahre los. Ich nehme wahr, dass die Frau „weint“. Möchte mich nicht einmischen. Weiß ja nicht was da abgelaufen ist.

Plötzlich fragt Sie:“ Wo sind wir hier und wo fahren wir hin?“.

Ich reagiere nicht. Ich wusste nicht ob die Frage an mich gestellt ist. Also sage ich erst einmal nichts. Sie wiederholt ihre Frage. Der Herr hinter mir reagiert wieder nicht. Ich „fühle“, dass die Frau mich anschaut, blicke rüber und sie schaut mich tatsächlich an.

„Fragen Sie jetzt mich oder den Herrn auf dem Rücksitz?“ frage ich sie.

„Sie!“ antwort sie.

„Wir sind in Leonberg und fahren in die L….straße 41!“

„Und wo ist das, wie weit von hier?“

„Vorne an der Kreuzung rechts und dann vllt. noch 600 m.“

„Und da wohnt der Herr?“ fragt sie.

„Das weiß ich nicht, sage ich ihr!“

Der Herr auf dem Rücksitz „lebt doch“  und bejaht diese Frage.

Die Frau schluchzt und weint. Jedoch versucht sie das zu unterdrücken!

Am Ziel angekommen, steigt der Mann aus, sucht nach seinem Geldbeutel und das nötige Geld.

Die Frau weint, schaut mich an. Ich konnte nicht anders: „Geht es Ihnen gut?“

Sie schaut mich mit sehr großen Augen an als wohle sie sagen „NEIN!“

Hebt meine Hand, lässt sie nicht los. Ich spüre ihren festen Händedruck.

„Vergessen Sie diese Adresse nicht. BITTE!“

„Brauchen Sie Hilfe?“ frage ich sie.

Der Herr der in der Zwischenzeit um das Auto gelaufen ist, öffnet die Tür und unterbricht sie.

Die Frau erhebt sich vom Sitz, dreht sich zu mir – ich dachte, oh Gott sie will mir jetzt hoffentlich nicht einen Kuß geben – und flüstert:“ Vergessen Sie diese Adresse nicht und vergessen Sie MICH nicht!“.

Der „betrunke“ Herr – ich vergass das zu erwähnen – sagt :“Komm, lass uns jetzt nach oben gehen!“

Während sie die Tür hinter sich schließen sehe ich wie dieser Herr dieser Frau in den Hintern kneift. Ich denke mir: „Der freut sich jetzt auf eine Nummer!“.

Er geht vor, die Frau dackelt hinter ihm her, er nimmt das kleine Gepäck und trägt es. Die Frau steht da mit einer großen Einkaufstasche mit Lebensmitteln und einem Bordcase! Mit der einen Hand trägt sie diese Einkaufstasche und mit dem Fuß schiebt sie den Bordcase vor sich.

Eine Weile lang warte ich und beobachte was da geschieht. Mir geht es durch den Kopf:“Was soll ich jetzt machen? Wie dringend ist diese Aussage? Soll ich jetzt nun die Polizei anrufen? Mit welchem Grund? Soll ich der Polizei sagen, die Frau hat gesagt, ich solle die Adresse und sie nicht vergessen? Lachen die mich dann da aus oder was?“

Und ich habe mich entschieden, nichts zu unternehmen!

– (c) georg mouratidis –

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