Die geborene Sekretärin

Ein BMW hält links neben meinem Taxi. So nah, dass die Insassen Mühe hatten auszusteigen. Ich beobachte es durch meinen Aussenspiegel.

Eine Dame und ein Mann steigen aus. Sie haben einen großen Koffer dabei.
Ich beobachte es, weil ich sehen möchte, ob sie am Taxi hängenbleiben. Denn sie haben wirklich sehr nah angehalten.
Die Frau geht um das Taxi herum, öffnet die Tür und sagt: „Fahren Sie mich ins Hotel commundo?“

„Wenn Sie mir eine Adresse haben, denn hier in Leonberg gibt es kein Hotel commundo!“

„Dann muss ich jetzt mein iPhone zücken“ sagt sie.

„Dann zücken Sie!“ antworte ich.

„Oh, habe ich gar nicht dabei. Mist!“

Dann reicht sie mir einen Ausdruck. Ich schaue mir das an. Es ist eine Wegbeschreibung.

„Ich kann leider keine Adresse erkennen!“ sage ich ihr.

„Es muss doch da drauf stehen!“

„Es ist mir zu klein“ antworte ich. „Ich kann das nicht lesen!“

„Jetzt muss ich meine Brille zücken“ sagt sie und wurschtelt in ihrer Tasche.

Während sie auch so sucht, sage ich ihr: „Um Ihre Frage von vorhin zu beantworten, ja ich fahre sie hin. Fast überall hin. Wenn Sie mir eine Adresse haben!“

Sie lacht und dann sagt Sie: „Universitätsstraße 34, 70569 Stuttgart“ in einer Art Diktierton.

„Jawoll Chef“ sage ich.

Sie lacht: „Ich bin die geborene Sekretärin“ sagt sie. „Deswegen!“

„Aha, geborene Sekretärin“ sage ich. „Habe ich auch noch nie gehört!“

„Habe ich das gesagt?“ fragt sie.

„Ja, haben Sie!“

„Das ist wohl der Alkohol!“ antwortet sie.

„Ich frage mal Uschi“ sage ich und gebe die Daten ein.

„Ich muss mich noch von dem Herrn verabschieden“ sagt sie.

Sie umarmen sich und die Dame setzt sich in mein Auto und wir fahren los.

Unterwegs unterhalten wir uns über Gott und die Welt. Dass sie zu einem Seminar anreist. Sie lebe ja in Berlin und eigentlich kommt sie aus Dortmund. Sie arbeitet bei einem großen Unternehmen.

Das war mein Stichwort. „Ich gebe ihnen mal meine Karte!“

„Ich weiß ehrlich gesagt nicht was ich mit Ihrer Karte soll“ fragt Sie.

„Oh, verzeihung. Ich will sie nicht anbaggern. Doch wenn Sie meine Karte sehen, werden Sie sofort verstehen. Da bin ich mir sicher!“

Sie liest „Gewaltfreie Kommunikation“. „Das spricht mich sehr an!“ sagt sie. „Denn manchmal sage ich etwas und ich verletze die anderen“

„Oh, glauben Sie mir. Sie können niemanden verletzen!“

„Ja, das stimmt. Die fühlen sich von mir angegriffen!“

„oh, ich kann Ihnen gerne zeigen wie das auch anders geht“ sage ich.

„Ich bin 50“ sagt sie und lacht.

„Ich auch“ sage ich und wir lachen beide.

„Wissen Sie, mein Stichwort war, dass Sie in einem großen Unternhemen arbeiten. Und ich suche natürlcih Aufträge“ sage ich.

„Das ist mir klar!“ sagt sie, schaut mich an und lacht dabei.

Am Zielort angekommen verlangt Sie nach einer Quittung.

Ich spreche laut:“Von Leonberg …“

„Nein!“ sagt sie. „Ich komme eigentlich vom Flughafen. Es war nicht vorgesehen dieser kurze Zwischenstopp in Leonberg. Also muss das der Chef auch nicht wissen, oder?“

Sie schaut mich fragend an und meint: „Schreiben Sie von nix nach nix. Das macht doch mein Chef auch so!“

„Ah, ok“ sage ich. „Ich verstehe!“ und schreibe nur den Preis, das Datum und unterschreibe die Quittung.

Erleichterung 😉

Sie nimmt ihr Gepäck vom Rücksitz, verabschiedet sich und läuft ins Hotel.

(c) georg mouratidis 
Habt ihr auch Geschichten die ihr im Taxi erlebt habt? 
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Schickt sie mir an georg.mouratidis@seiderdubist.de
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