Die Jugend und das Schubladendenken über sie!

Ich stehe am Bahnhof mit einem Kollegen und wir unterhalten uns.
Plötzlich sehe ich hinter ihm zwei Jugendliche mit 5 oder 6 Flaschen Alkohol. Sie sehen ziemlich jung aus. So von Weitem.

Ich beobachte wie das junge Mädchen die Flasche mit einem „roten“ Inhalt anhebt und daraus trinkt. Dann gibt sie es weiter an den Jungen. Der hebt auch an und trinkt einen großen Schluck.

„Was glaubst du wie jung die sind?“ frage ich meinen Kollegen.
„Hm“ sagt er „so zwischen 16 und 18. Schätze ich“
„Ab wann darf man eigentlich in der öffentlichkeit Alkohol trinken“ frage ich ihn.
„Ab 18“ sagt er mehr fragend als wissend.

Ich beobachte das eine Weile und dann sage ich zu meinem Kollegen „Am liebsten würde ich hingehen und sie fragen. Was glaubst du wie sie wohl reagieren werden?“

„Die werden dich auslachen. Die werden dich eher auslachen als mich“ sagt er. Der Kollege ist erst 25.

„Wollen wir eine Wette eingehen?“ frage ich ihn.
„Nein“ sagt er. Die werden dich blöd anmachen.

„Soll ich das mal versuchen?“
„Neiiiiiiiin Georg, lass das!“
„Wollen wir wetten, dass sie mich nicht blöd anmachen?“ sage ich und warte die Antwort gar nicht ab und laufe zu den Jugendlichen.

„Ich hab mit meinem Kollegen eine Wette, dass, wenn ich euch frage was ihr hier so trinkt und ob ich auch etwas bekomme, dass ihr mich blöd anmacht. Und wie sieht es aus?“

„Das ist Erdbeersekt“ sagt das junge Mädchen.
„Das ist Weiberfussel“ sage ich und lache dabei.

„Oh ich trinke das auch“ sagt der Junge.

Mittlerweile kommen noch zwei andere Jungs dazu.

„Ich würde gerne wissen was das hier ist“ und deute auf eine Flasche Wodka.
„Wodka“ sagen das junge Mächen und der Junge Mann die am Anfang alleine waren.

„Ist es guter Wodka oder billig billig!“

„Billig Billig“ antworten die beiden.

„Was ist jetzt, bekomme ich jetzt etwas zu trinken? Habt ihr Becher?“

„Nein“ sagen sie. „Aber du kannst aus der Flasche trinken“

„Nein, das mache ich nicht. Ausserdem möchte ich kein Alkohol trinken, weil ich Taxi fahre. Aber von dem Bitter lemon würde ich etwas nehmen.“

„Oh, das ist auch Alkohol drin – gemischt – “ sagen sie und zwinkern mir zu.

Wir lachen dann alle zusammen.

„Der Maracujasaft da ist noch rein“ sagt das junge Mädchen.

Mittlerweile kommt mein Kollege dazu, weil er wohl sieht, dass wir uns unterhalten.

„Und weshalb habt irh mich nicht blöd angemacht“ frage ich.

„Na, Sie haben ganz freundlich gefragt. Weshalb sollen wir sie dann blöd anmachen“ fragt mich Michael.

„Ok“ sage ich „wann hättet ihr mich blöd angemacht?“

„Naja, andere kommen und wollen uns sagen, dass man das nicht macht. Ob wir denn in der Öffentlichkeit trinken dürfen und wie alt wir denn sind und so weiter!“

„Aha, und wei alt seid ihr“ frage ich.

„17,18,19,16“ sagen sie uns ihr Alter.

„Ach so, jetzt verstehe ich. zwei von euch dürften eigentlich kein Alkohol in der Öffentlichkeit trinken, gell?“

„Ja, genau“ sagen sie und lächeln.

„Weshalb trinkt ihr denn überhaupt Alkohol. Und ich meine jetzt nicht den Weiberfussel, sondern hier diesen Wodka?“

„Naja, um uns voll zu laufen. Um dicht zu werden!“

„Aha, und weshalb das?“

„Das macht lockerer und so überwinder man Hämmungen, lernt Menschen leitchter kennen!“

„Und ausserdem, wenn du vor der Disko trinkst bist du „satt“ und musst das teuere Gesöff in der Disko kaufen. Also, hat auch was mit dem Geld zu tun!

„Ah ok, verstehe. Interessant“ sage ich.

„Wie heißt ihr?“ frage ich sie.

„Ich bin Michael, Marvin, Sarah“ Und es war noch ein Italiener dabei dessen Name ich leider vergessen habe.

„Und wie heißt du?“ fragt mich Sarah.

„Ich heiße Georg“ sage ich.

Ich ziehe meine Karte und gebe sie Sarah. Wieso gerade Sarah weiß ich nicht.

Sie liest „Gewaltfreie Kommunikation“ und sagt : „Das gefällt mir. Das gefällt mir wirklich. Das wäre was für unsere Schule.“

„Wirklich?“ frage ich.

„Jaja, sagt Sarah und schaut Marvin an.

Mittlerweile ist Karina hinzugekommen. Sie haben nämlich Schulferein und wollen in die Disko.

„Was ist das?“ fragen die anderen

„Möchtet ihr auch eine Karte haben?“ frage ich.
„Ja“ antworten alle zusammen.

Ich gebe jedem eine.
Dann unterhalten sie sich wie und wo sie den Bedarf sehen.

„Das wäre doch was für Frau Bosch und unsere Sozialarbeiterin, oder?“ fragen sie sich untereiander.
„Ja ja“ sagt Marvin. „Das wäre doch wirklich etwas!“

„Und was verlangst du dafür?“ fragt mich Sarah.

„Nix“ antworte ich „für euch Schüler mache ich das kostenlos. Nicht für die ganze Schule aber für den ersten Kontakt schon!“

„Das wäre doch was für unsere 3 BKs.“ sagt Sarah.
„Was auch immer BKs sind“ denke ich mir.
Marvin nickt zustimmend.

„Also Sarah, können wir so verbleiben, dass du mich bis Ende nächstwer Woche anrufst und Bescheid gibst?“

„Ja“ sagt sie. „Ich muss mir das aufschreiben.“

Sie zückt ihr Handy und notiert das.

Ich habe mich verabschiedet, weil ich auf ne Fahrt musste.

Jedoch nicht ohne am Saft mit Wodka zu nippen.

Denn mittlerweile kam auch Kitty und Peddy dazu. Und die beiden hatten Plastikbecher dabei.

Spät in der Nacht haben sie ein Taxi für die Heimfahrt bestellt und haben extra nach mir verlangt.

Ist das nicht „süß“ :). Die Fahrt war zu mindest sehr lustig. naja, bei dem Alkohol 😉

(c) georg mouratidis 
Habt ihr auch Geschichten die ihr im Taxi erlebt habt? 
Wollt ihr sie auch auf taxiaffair.wordpress.com veröffentlichen? 
Egal ob Taxifahrer oder Taxigast! 
Schickt sie mir an georg.mouratidis@seiderdubist.de
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3 Gedanken zu „Die Jugend und das Schubladendenken über sie!

  1. Hallo Georg, eine gute Geschichte, die sehr viel verschiedene Dinge beinhaltet. Die eigene Vorstellung wie andere Menschen reagieren werden, das Schubladendenken, aber auch die Möglichkeiten sein eigenes Angebot anzusprechen, obwohl es eventuell ja nicht die eichte Zielgruppe ist. Als Vertriebler bin ich gespannt, ob sich mit der Schule, oder dem Sozialarbeiter etwas ergibt. Viele grüße Herbert

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