Trennung kann so schmerzhaft sein

Es ist ca. 22:40. Ich fahre von leonberg nach Rutesheim. Einen Taxigast nach Hause.
Kurz vor Rutesheim sehe ich auf der linken Seite eine Frau mit einem Rollkoffer an der Hand, zwei Taschen umgehängt und das Handy am Ohr Richtung Leonberg laufen. Auf der flaschen Seite! Mit dem Verkehrsfluss laufen.

„Will diese Frau etwa bis nach Leonberg laufen?“ dachte ich mir. „Das ist ein Stück“. Ich fahre weiter den Fahrgast nach Hause und auf dem Rückweg passe ich auf, ob diese Frau noch unterwegs ist. Ich möchte Sie ja nicht überfahren.

Und da läuft sie. Tatsächlich. Ich fahre langsamer, machen die Warnblinkanlage an und bleibe stehen. Fahre die Scheibe runter und frage „Möchten Sie mitfahren?“. Sie schaut mich fragend an.  Die Frau schluchzt und weint.
Ich antworte: „Sie müssen auch nichts bezahlen!“

„Zum Bahnhof?“ fragt sie. „Ja, gerne“ antworte ich. Sie verstaut ihr Gepäck im Kofferrum und steigt ein. „Nach Rutesheim zum Bahnhof!“. Während der ganzen Zeit weint sie und schluchzt. 

Ich versuche so sensitiv wie möglich zu sein. „Oh, Rutesheim hat keinen Bahnhof. Meinen Sie den Busbahnhof?“
„Nein, zur S-Bahn!“ sie weint, schluchzt, sucht in ihrer Handtasche nach einer Adresse.
„Wo wollen Sie denn hin?“ frage ich.
Sie weiss es nicht. Sie ist wohl verwirrt.
„Ganz ruhig. Lassen Sie sich Zeit. Suchen Sie in Ruhe in Ihrer Handtasche. Wir warten hier! Was ist denn passiert?“ frage ich.

„Mein Partner hat sich von mir getrennt!“
„Puuh“ dachte ich mir. jetzt brauchst du Fingerspitzengefühl.“
Während sie in der Tasche sucht lege ich meine Hand auf ihren Rücken um sie zu beruhigen und frage: „Meinen Sie die S-Bahnhaltestelle“.
„Ja, genau. da laufe ich immer hin!“
Sie schaut mich an und fragt: „Ist das die falsche Richtung?“
Ich nicke mit dem Kopf.
„Scheiße, jetzt bin ich auch noch falsch gelaufen“. Sie weint – eigentlich weint sie die ganze Zeit.
„In welche Richtign fahren Sie dann, wenn Sie in Rutesheim in die S-Bahn einsteigen?“
„Nach Stuttgart“ antwortet sie.

„Dann passt es. Ich fahre Sie nach Leonberg zum Bahnhof und da steigen Sie in die S-Bahn nach Stuttgart. ist das Ok für Sie?“

„Ja“ sagt sie bedankt sich sehr. Und dann spricht sie weiter mit ihrer Mutter.

Auf dem Weg zum Bahnhof ist es still zwischen uns. Sie telefoniert, fragt mich bestimmt drei oder vier Mal wie die Strasse heißt wo wir hinfahren. ich beantworte ihre Frage.

Am Ziel angekommen zeige ich den Bahnsteig und den Tickeautomat wo sie ihr Ticket kaufen kann.
„Was bekommen Sie?“
„Nichts, es ist ok. Habe ich gerne gemacht!“
„Nein, ich möchte Ihnen etwas geben“, versucht 10 Euro aus dem Geldbeutel zu ziehen, das gelingt ihr nicht sofort. Sie ist sehr aufgeregt, und zittert.
„Ich möchte es Ihnen schenken“ sage ich, „bitte behalten SIe es!“
„Sie schafft es den Zehner herauszuziehen und legt ihn mir in die Mittelkonsole. Sie weint.
„Ist es so schlimm?“ frage ich.
„Ja“ sagt sie und steigt aus.
Ich steige mit aus und gehe zum Kofferraum um ihr Gepäck herauszunehmen. Ich stelle es auf den Boden und sage zu ihr:“ Passen Sie bitte auf sich auf!“
„Ja mache ich“ antwortet sie.
„Versprochen?“
„Ja, versprochen. Sie auch auf sich. Und vielen Dank!“
„Habe ich wirklich gerne gemacht. Auf Wiedersehen!“

Ich würde so gerne wissen was aus dieser jungen Frau geworden ist.Ob sie diese Trennung verkraftet hat oder immer noch nicht.

(c) georg mouratidis

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