Nikoleta

Das ist die Fortsetzung des jungen Mädchen das nicht nach Hause wollte.

Ich habe von diesen Mädchen seit März nichts mehr gehört. Ich habe sie zwar mal im Leocenter gesehen, aber ich habe sie nicht angesprochen. Weil mir nicht klar war, ob sie das denn möchte.

Und gestern? Gestern erhalte ich um 20:57 folgende sms.

George es tut mir leid für alles was ich dir angetan habe. Ich bin gerade dabei zu entscheiden ob ich noch leben soll oder nicht. Ich habe wieder die gleiche Situation und noch schlimmer mit meinen Eltern. Ich hab inzwischen heraus gefunden, dass ich depressiv bin, ich sehe gerade keinen Grund zu leben. Und falls ich nicht persönlich dazu komme, will ich micht entschuldigen und mich bei dir bedanken für alles, ich hab von dir gelernt zu kämpfen, aber es ist schwer ständig gegen eine Wand zu kämpfen. Danke für alles George,

Bis zu diesem Moment fragte ich mich fast bei jedem Wort, wer das sei. Ich hatte keinen blassen Schimmer. Bis ich den Namen Nikoleta las.

Tja, jetzt stehe ich da, sagte ich zu mir. Da macht sich jemand Gedanken sich umzubringen und er sagt mir das auch noch. Was machen? Gehe ich jetzt zur Polizei, oder lass ich es. Viele Gedanken gehen mir da durch den Kopf.

Jemand der sich umbringen will, kündigt das doch nicht an!

Doch ich habe hier schon mal einen Artikel gepostet, wo viele mir gesagt haben, dass sie die Polizei informiert hätten, oder etwas über unterlassener Hilfeleistung. Also beschloss ich, zur Polizei zu fahren und sie kann dann entscheiden was sie machen.

Die Polizei nimmt alles auf. Namen, Alter, fragt mich woher ich sie kenne u.v.m.
Und da plötzlich bedankt sich der Polizist, dass ich gekommen bin, denn sowas sei ernst zu nehmen sagt er.
Ein Wagen sei bereits unterwegs, sagt er dann plötzlich.
„Wohin?“ frage ich.
„Zu ihr in die Wohnung!“
„Ist das gut?“ frage ich, „wäre es nicht besser vllt. sie vorher anzurufen?“
„Wissen Sie“ sagt der Polizist „das könnte gefährlich werden, wenn sie das wirklich vorhat!“
„Ah, ok. Verstehe“ sage ich. „Darf ich hier anrufen und nach dem Stand fragen?“
„Ja, rufen Sie in ca. zwei Stunden an. Bis dahin wissen wir mehr!“

Wir verabschieden uns und ich fahre nach Hause.

Unterwegs mache ich mir schin Gedanken, ob das der richtige Weg war.

Zu Hause angekommen setze ich mich hin und sehe fern. Warte bis die zwei Stunden rum sind. Doch da, 22:40, klingelt mein Handy.

Ich schau auf die Nummer und sehe es ist Nikoleta. „Na toll“ sage ich „jetzt bin ich gespannt!“

„Hallo George!“
„Hi, Nikoletta“
„Kannst du mich abholen bitte?“
„Und dann?“
„Fährst Du mich zu einem Freund?“
„Ja ok, wo soll ich dich abholen?“
„Im Krankenhaus!“
„Ja, ok.Ich fahre gleich los!“

Bevor ich losfahre, rufe ich den Polizisten an.
„Ich möchte Ihnen sagen, dass das junge Mädchen mich angerufen hat. Ich solle sie abholen.“
„Wo sollen Sie sie abholen?“
„Im Krankenhaus. Ich möchte nicht irgendwie dazwischenfunken!“
„Ich rufe Sie gleich an“ sagt der Ploizist.
„Ok“ sage ich „ich fahre aber schon los!“

Im Krankenhaus angekommen sehe ich niemanden. Die Rezeption fragt mich wo ich hin möchte. Ich sage ihr nur, dass ich es nicht weiß, dass ich jemanden abholen soll.

„Das ist bestimmt in der Ambulanz. laufen sie einfach gerade aus.Sie sehen das dann!“

Es war eine sehr angenehme Frau. Vllt. sollte das heute wohl so sein.

Also laufe ich in die Ambulanz, schaue mich um und sehe niemanden.
Ich rufe sie an.
„Wo bist du?“
„Immer noch hier drin. Ich brauche noch ein wenig!“
„Wie lange?“
„Zehn Minuten!“
„Ok, ich warte vorne auf dich!“

Mein Handy klingelt. Es ist der Polizist
„Also, die Kollegen haben gesagt, dass Sie ins Krankenhaus fahren können. Sie sind auch dort!“

„Ach so?!“ sage ich.
„Ja, sie haben sie dorthin gefahren. Zur Untersuchung und Gespräch!“
„Gut, danke. Ich bin schon hier. Ich werde warten! Tschüss!“
„Tschau“ sagt der Polizist in einem Ton der bei mir sehr angenehm ankam.

Ich suche nach dem Getränkeautomaten. Sehe, dass es dort auch einen Süßigkeiten-Automaten gibt, also laufe ich zu diesme und möchte mir eine Schokolade rauslassen.

Und da sehe ich zwei Polizisten und Nikloleta.
Ich laufe auf sie zu und wir umarmen uns. Nikoleta und ich natürlich 😉

Nachdem alles mit der Polizei geklärt war, setzen wir uns ins Auto.

„Wohin soll ich dich jetzt fahren?“

Sie schaut mich an und sagt:“ George?“
„Ja?“
„Darf ich dich umarmen?“
„Ja, darfst Du!“

Sie umarmt mich und sagt: „Danke dir!“
„Gerne“ sage ich.

Nachdem Sie fertig war mit umarmen, frage ich wieder wo wir hin wollen.
„Ich habe Hunger“ sagt sie.
„Ok, wohin?“
„Mc Donalds!“
„Ok, fahren wir hin“

Wir fahren los und ich bitte sie mir zu erzählen was passiert ist.
Sie erzählt und erzählt.
„Danke George“ sagt sie. Sie bedankt sich ziemlich oft.

„Wofür?“
„Dass du da bist. Du bist mir als einziger eingefallen.!“
„Wieso ich?“
„Du bist der einzigste der mir geholfen hat, damals. Das hast du wirklich. Du hörst mir zu. Du sagst kein Wort. Kein Wort wie, „das biegen wir schon wieder hin oder das wird schon. Selbst jetzt könntest du schimpfen oder mir Lösungswege aufzeigen wollen. Aber nein, du hörst mir nur zu. Das hilft mir sehr. Du bist der einzige der mir zuhört. Einfach nur zuhört. DANKE!“

Beim Mc Donalds angekommen fahren wir zum Mc Drive, wir bestellen und ich fahre sie zu dem Freund den sie mri genannt hat.

Sie erzählt mir so vieles – von dem Tag an wo sie sich nicht gemeldet hat bis heute – was so alles passiert ist. Weshalb sie sich nicht gemeldet hat, was alles so geschehen ist. Und sie bedankt sich immer und immer wieder. Und sie entschuldigt sich. Langsam wird mir das zu oft und ich bitte sie, sich nicht mehr zu entschuldigen.

Sie stellt mir so viele Fragen, was sie tun soll oder kann.

Ich sage ihr, dass ich gerade etwas unsicher sei, denn sie höre sich so abgeklärt an. „Du erzählst es in so einer Ruhe, als ob dich das gar nicht berührt!“

„Ja“ sagt sie, „ich weiß. Vllt. stumpft man ab in all der Zeit. Vllt. wird man emotionslos. Vllt., ich weiß es nicht.“

Wir sind am Ziel angekommen. Sie steigt aus, wir umarmen uns und sie fragt mich:“ Darf ich dich anrufen, wenn es mir nicht gut geht?“

„Ja“ sage ich „darfst du!“ und fahre nach Hause.

Ehrlich gesagt bin ich mir unsicher, ob das gut war. Denn sie klingt wirklich so abgeklärt. Sie meldet sich fast 1/2 Jahr lang nicht und jetzt meldet sie sich. Diese Abgeklärtheit – wenn es denn eine ist – erlebte ich schon vor einem halben Jahr in unserem letzten Gespräch. Dort sagte ich ihr:“Mein Bauch fragt mich gerade, was von dem was du sagst ist wahr und was nicht?“. Und ab dem Tag hörte ich nichts mehr von ihr. Bis Heute.

Jetzt schaun wir mal wo das hinführt. Wenn ich sie wirklich „retten“ konnte ist das ja schon mal ok! Oder?

(c) georg mouratidis 
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Schickt sie mir an georg.mouratidis@seiderdubist.de
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5 Gedanken zu „Nikoleta

  1. Lieber Georg,
    ich finde es sehr toll, was Du da getan hast. Es erfordert schon eine kleine Portion Überwindung um wirklich den Weg zur Polizei zu gehen und einen solchen Vorfall zu melden.
    Für den Moment hast Du der jungen Dame einen grossen Gefallen erwiesen und an diesen wird sie sich sehr wohl auch Erinnern wenn es wieder einmal „Probleme“ gibt.
    Je nachdem wie viel sie Dir bedeutet, könntest Du zwischendurch bei Ihr mit einer kleinen SMS anfragen wie sie sich fühlt. Ich schreibe hier auch bewusst nach dem Gefühl, denn bei der Frage „wie es Dir geht“ wird die Antwort immer positiv ausfallen. Bitte glaube mir, dass es depressiven Menschen sehr schwer fällt sich zu öffnen und dem Gegenüber entsprechend auch die Wahrheit zu sagen. Sollte es jedoch in genau dem Moment in dem sie ein SMS von Dir erhält sehr schlecht bei Ihr sein, so wirst Du es erfahren.
    Und auch wenn Du kein Psychiater im Hauptberuf bist, so steckt in Dir als Taxifahrer und vor allem in Dir als Coach eine wichtige Lebenshilfe für „verlorene Seelen“. Die wenigsten Menschen die ich bisher kennenlernen durfte besitzen diese Fähigkeit: unvoreingenommen zuhören zu können.

  2. Ich bin die im Text erwähnte Nikoleta. Und ich bin dir George wirklich dankbar das du mir geholfen hast, womit weisst du bereits. Es ist einfach gut zu wissen das du für einen da bist. Inzwischen habe ich viel gelernt und auch wenn ich Angst hatte und unsicher war ob ich das richtige tue bin ich froh das ich diese Entscheidung getroffen habe. Ich bin jetzt seit ca.3 Wochen weg von Zuhause und ich plane nicht zurück zu gehen , nein viel mehr Plane ich am 4 Dezember zu verschwinden – und zwar nach London. Ich möchte ein neues Leben beginnen weit weg von den Menschen die mich kennen. Ich will mir selbst beweisen das ich die dinge erreichen kann die ich mir auch in den Kopf setze. Es ist ein One-way ticket. Ich habe gelernt das ich im Leben ein Risiko eingehen muss , ich bin mir sicher wenn ich dieses Ticket nicht gekauft hätte , hätte ich es eines Tages bitter bereut. Ich will eine andere Richtung einschlagen an einem anderen Ort und ich hoffe das ich endlich mich selbst finden kann. Denn um ehrlich zu sein ich hab nicht wirklich einen Plan wer ich wirklich bin, viel zu sehr und viel zu lange habe ich mich von anderen Leuten beeinflussen lassen. Bis mir aufgefallen ist das die Meinung anderer Leute nicht wichtig ist. Wichtig ist was ich aus meinem Leben mache, daher führt mein Weg mich nach London. Ich habe keine Angst, den Angst vorm Leben hatte ich lange genug. Es wird Zeit mein leben selbst in die Hand zu nehmen. George , ich bin dir dankbar das du mir hilfst und für mich da bist! Und wer weiss vielleicht trinken wir den nächsten Kaffee gemeinsam in London 😉

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